Glossar

Reichspogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es im Deutschen Reich zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, die vom NS-Regime angefacht und gelenkt wurden. Als Vorwand für die judenfeindlichen Taten wurde das Attentat an Ernst vom Rath, einem deutschen Diplomaten in Paris, angeführt. Ein Jugendlicher aus Hannover, dessen Eltern von den gewaltsamen Massenabschiebungen von Juden und Jüdinnen mit polnischer Staatsangehörigkeit betroffen waren, hatte am 7. November 1938 in Paris auf den Diplomaten vom Rath geschossen. Als dieser zwei Tage später an seinen Verletzungen starb, zogen gewaltbereite Gruppen im gesamten Deutschen Reich durch Dörfer und Städte, plünderten und zerstörten jüdische Geschäfte und Wohnungen und setzen Synagogen in Brand. Juden und Jüdinnen wurden misshandelt, gequält, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Oft wurden die randalierenden Gruppen von Mitgliedern der SS und der SA angeführt.

Die Gewalt rund um die Reichspogromnacht stellte einen entscheidenden Schritt in der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten dar: Bereits seit 1933 diskriminiert und zunehmend ausgegrenzt, war nun die systematische Verfolgung und Vernichtung von Juden und Jüdinnen eingeläutet.