Enemy Alien (Ausländer aus Feindstaaten)
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde in Großbritannien die Sicherheitspolitik verschärft. Menschen aus Nazideutschland (Deutschland und Österreich) galten als ‚Enemy Alien‛ – Ausländer aus Feindstaaten. Viele von ihnen waren Geflüchtete, Juden und Jüdinnen oder andere Verfolgte, aber man fürchtete Anhänger, Saboteure oder Spione des NS-Regimes im eigenen Land.
Zunächst wurden Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit nur registriert und je nach Sicherheitsrisiko in ihren Rechten eingeschränkt. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich im Frühjahr 1940 erfolgte in Großbritannien jedoch eine große Internierungswelle: Alle männlichen Deutschen zwischen 16 und 60 Jahren wurden festgenommen und in speziellen Lagern festgehalten. Frauen waren weniger systematisch betroffen. Als die Internierungslager in Großbritannien voll waren, verschiffte man im Sommer desselben Jahres auch Gefangene nach Kanada und Australien, um sie dort festzuhalten. Wenig später lockerte die britische Regierung die Internierungspolitik wieder, nach und nach kamen die Festgehaltenen frei.
Auch andere europäische und außereuropäische Länder hatten in ihrer Rechtsprechung Regelungen zum Umgang mit Angehörigen von Feindstaaten. Diese Regelungen waren aber keine Neuerfindung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, sondern bauten auf Maßnahmen und Gesetzen aus dem Ersten Weltkrieg und früher auf. Sie wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg in einem bisher noch nicht gekannten Umfang angewendet.